Welche Seekarten brauchen Sie für die Küstenfahrt?

Für eine belastbare Törnplanung brauchen Sie Karten, die Ihr gesamtes Revier abdecken, Hafenzufahrten und Ankerplätze zeigen und vor jeder Fahrt geprüft werden. Amtliche Seekarten des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) sind die Grundlage. Für Sportboote lässt § 13 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. a der Schiffssicherheitsverordnung (SchSV) jedoch ausdrücklich nichtamtliche Ausgaben zu. Entscheidend ist deshalb weniger die Herkunft als der Berichtigungsstand. Für Wattgebiete und enge Fahrwasser mit Tonnen lohnt sich ein größerer Maßstab, weil Untiefen und Tonnenpositionen dort sonst schwer zu erkennen sind.

Welche Seekarten brauchen Sie für die Küstenfahrt?

Müssen Papierkarten laufend berichtigt werden?

Die Berichtigung erfolgt über die Nachrichten für Seefahrer (NfS). Das BSH beschreibt die fortlaufende Berichtigung der aktuellen Seekarten und Seebücher als Aufgabe, die mit den NfS erledigt wird. Rechtlich ist die Lage differenzierter. Nach § 13 SchSV müssen die NfS des laufenden und der beiden vorherigen Jahrgänge an Bord sein, für Sportboote sieht die Vorschrift jedoch Ausnahmen vor. Ob und welche Pflichten für Ihr Fahrzeug gelten, hängt von Flagge, Bauart und Nutzung ab. Im Zweifel klären Sie das mit der zuständigen Behörde. Unabhängig von der Rechtslage ist die Berichtigung vor jedem Törn eine Frage der Sorgfalt. Lesen Sie die NfS für Ihr Revier durch, tragen Sie Einzelkorrekturen sowie Deckblätter sorgfältig ein und dokumentieren Sie, bis zu welcher Ausgabe Sie korrigiert haben. Ein Eintrag, der in der Karte fehlt, ist die häufigste Ursache für Fehlkurse.

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Wie plane ich den Kurs Schritt für Schritt?

  1. Route einzeichnen: Verbinden Sie Start, Wegpunkte und Ziel durch Kursabschnitte zwischen gut erkennbaren Ansteuerungspunkten.
  2. Gefahren prüfen: Kontrollieren Sie Tiefen, Untiefen, Wracks, Verkehrstrennungsgebiete und Sperrgebiete entlang jedes Abschnitts. Legen Sie einen Sicherheitsabstand zu Untiefen fest.
  3. Kurs umrechnen: Übertragen Sie den Kartenkurs in den Kompasskurs, wie im nächsten Abschnitt beschrieben.
  4. Zeit abschätzen: Berechnen Sie die Fahrzeit mit einer vorsichtigen Geschwindigkeit, die auch bei Gegenwind realistisch ist.
  5. Kontrollpunkte festlegen: Wählen Sie markante Objekte, an denen Sie Ihre Position per Peilung prüfen.
  6. Plan hinterlegen: Halten Sie Route, Zeiten und Notfallhäfen schriftlich fest und hinterlassen Sie eine Kopie an Land.

Wie berücksichtige ich Missweisung und Ablenkung?

Der Kartenkurs ist ein rechtweisender Kurs, der Magnetkompass zeigt dagegen magnetisch an. Die Umrechnung folgt einer festen Reihenfolge: Magnetkompasskurs plus Ablenkung ergibt den missweisenden Kurs, dieser plus Missweisung ergibt den rechtweisenden Kurs. Danach kommen Wind- und Stromversetzung hinzu. Beim Rückrechnen von der Karte zum Steuerkurs gehen Sie die Kette umgekehrt durch. Die Missweisung steht auf der Seekarte mit einer Jahreszahl und meist einer jährlichen Änderung. Den aktuellen Wert berechnen Sie, indem Sie diese Änderung für die verstrichenen Jahre fortschreiben. Westliche Werte behandeln Sie als negativ. Die Ablenkung entsteht durch eisenhaltige Gegenstände und elektrische Verbraucher in der Nähe des Kompasses. Sie ist kursabhängig und verändert sich, wenn Ausrüstung hinzukommt oder umgesetzt wird. Prüfen Sie den Kompass nach Umbauten und halten Sie die Ablenkungstabelle an Bord bereit. Die genauen Verfahren und Prüfgrundlagen entnehmen Sie der Herstellerdokumentation Ihres Kompasses und den Unterlagen Ihres Kursbuchs.

Wie berücksichtige ich Missweisung und Ablenkung?

Wie wirken Strom, Wind und Wasserstand auf den Kurs?

Strom setzt Ihr Boot seitlich, Wind driftet es ab. Beide Effekte verändern die Position, ohne dass Sie am Ruder etwas ändern. Planen Sie deshalb den Kurs mit dem Stromverlauf zur Fahrzeit, nicht mit einem Durchschnittswert. Steht der Strom quer zum Kurs, legen Sie einen Vorhaltewinkel fest und kontrollieren Sie ihn früh per Peilung. Der Wasserstand verändert die Tiefen. Kartentiefen beziehen sich auf das Kartennull, die tatsächliche Wassertiefe liegt zur Fahrzeit meist darüber oder darunter. Nutzen Sie die amtlichen Gezeitenangaben für Ihr Revier und rechnen Sie den Wasserstand zur geplanten Passage nach. Ohne verlässliche Angabe planen Sie keine Passage über Flachwasser.

Wann bereite ich Wendepunkte und Dunkelnavigation vor?

Legen Sie vor dem Ablegen fest, an welchem Punkt Sie umkehren oder einen Ausweichhafen anlaufen. Als Entscheidungsgrundlage dienen Wetter, Windstärke, Strom, Zeitreserve und der Zustand der Besatzung. Ein Wendepunkt, der erst unterwegs bestimmt wird, führt erfahrungsgemäß zu Fehlentscheidungen. Für die Dunkelnavigation markieren Sie Feuer, Kennungen und Lichtsektoren auf der Karte und prüfen sie gegen die aktuelle Ausgabe. Planen Sie zusätzlich Ausguck und Radar- oder AIS-Nutzung ein, wo vorhanden. Befahren Sie Wattgebiete nachts nicht, wenn Sie das Fahrwasser nicht sicher kennen oder die Tide nicht berechnen können. Stellt sich unterwegs eine Abweichung zwischen Karte und Wirklichkeit heraus, verringern Sie die Fahrt, prüfen die Position mit mindestens zwei Kontrollpeilungen und fahren nur weiter, wenn die Lage eindeutig ist.

Plotter und Papierkarte als Backup?

Ein Plotter ist ein wertvolles Hilfsmittel, aber er ersetzt die Karte nicht. Prüfen Sie den Stand des Kartenmaterials und ob Aktualisierungen eingespielt sind, bevor Sie ablegen. Die Bedienung und Kartenpflege beschreibt die Herstellerdokumentation Ihres Geräts. Fällt die Stromversorgung aus oder zeigt das Gerät einen Fehler, muss die Papierkarte den Kurs tragen. Halten Sie deshalb eine aktuelle Papierkarte für Ihr Revier an Bord bereit und üben Sie die Kursbestimmung mit Kompass, Peilung und Log, damit Sie auch ohne Elektronik sicher navigieren können.

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Häufig gestellte Fragen

Brauche ich für Binnengewässer dieselben Karten?

Nein. Dieser Artikel behandelt die Küstenfahrt. Binnenreviere haben eigene Kartenwerke und Regeln, die Sie vor dem Törn gesondert prüfen.

Was tue ich, wenn die Gezeitenangaben fehlen?

Verzichten Sie auf Passagen über Flachwasser, bis verlässliche amtliche Angaben vorliegen. Wählen Sie im Zweifel tiefes Wasser oder einen Ausweichhafen.

Wie lange vor dem Törn sollte ich meine Karten prüfen?

Kurz vor dem Ablegen, weil die NfS wöchentlich erscheinen und neue Meldungen Ihre Route betreffen können.