Vor der Saison wird das Unterwasserschiff zuerst gründlich gereinigt und auf Schäden geprüft. Danach streicht man nur, wenn Untergrund, Luft und Rumpftemperatur zum Produkt passen. Die wichtigste Bedingung: Der Rumpf darf nicht kälter sein als die Luft. Welche Grenzen gelten, steht im Datenblatt des Herstellers.
Warum ist die Grundierung vor der Saison wichtig?
Das Unterwasserschiff eines Segelboots ist über Monate Wasser, Sonne, Bewuchs und Stößen ausgesetzt. Ein intakter Aufbau aus Grundierung, Zwischenschicht und Antifouling schützt den Rumpf vor diesen Belastungen. Ist die Basis brüchig oder schlecht vorbereitet, löst sich der neue Anstrich mitsamt dem alten, und Schäden am Laminat können unbemerkt weiterwachsen. Die Vorbereitung gehört deshalb in den Saisonstart und nicht in eine Reparatur mitten in der Saison.
Antifouling ist außerdem ein Biozidprodukt. Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass für biozidhaltige Antifouling-Beschichtungen rechtlich verbindliche Vorschriften gelten und dass der Schutz von Mensch und Umwelt bei Auswahl und Anwendung im Mittelpunkt steht. Welche Regeln am Liegeplatz oder Winterlagerplatz gelten, klärt man vorab mit dem Betreiber und der zuständigen Behörde.

Wie reinige ich den Rumpf und prüfe seinen Zustand?
Die Reinigung kommt vor jedem Schleifen. Ein Hochdruckreiniger löst zwar Bewuchs und Pocken, kann aber auch selbstpolierende Anstriche stark ausdünnen. Der Fachartikel von YACHT empfiehlt deshalb eine mechanische Reinigung mit einem Schleifpad. Hartnäckige Reste entfernt man lieber in Ruhe als mit zu viel Druck, damit der Anstrich nicht unnötig verloren geht.
Anschließend prüft man den Untergrund bei Tageslicht und im trockenen Zustand. Blasen, abplatzende oder kreidende Stellen, Risse und Bereiche mit Öl- oder Fettfilm werden markiert. Fettige Stellen reinigt man gründlich, denn eine Grundierung haftet nur auf sauberer, trockener und fettfreier Fläche. Manche Epoxid-Systeme verlangen vor dem Auftrag eine Feuchtemessung am Laminat; ob und mit welchem Grenzwert, steht im Technischen Datenblatt des Produkts. Zeigen sich tiefere Schäden oder Feuchte im Laminat, ist die Beurteilung einem Fachbetrieb zu überlassen.
Wann muss ich den Altanstrich anschleifen?
Ein fest haftender Altanstrich wird angeschliffen, damit der neue Aufbau Halt findet. Ist der alte Anstrich dagegen brüchig, schichtet er sich auf oder blättert er ab, sollte er entfernt werden. Bei einem maroden Farbaufbau, der sich nicht vollständig abtragen lässt, kann ein spezieller Epoxid-Primer zur Verankerung den Aufbau so weit stabilisieren, dass er noch einige Jahre hält, wie YACHT beschreibt.
Gearbeitet wird wenn möglich nass. Nach dem mechanischen Schleifen wird mit einem Schleifschwamm und sauberem Wasser nachbehandelt. Hartes Antifouling braucht dabei länger als weiches. Trocken geschliffen wird nicht, weil der Staub gesundheitsschädlich ist.
Welcher Primer passt zu welchem Untergrund?
Die sicherste Regel lautet, den Aufbau aus demselben System zu verwenden, zu dem der neue Anstrich gehört. Im Zweifel empfiehlt YACHT eine Lage des zum neuen Anstrich passenden Primers. Blanke Flächen brauchen einen passenden Grundierungsaufbau, bevor Antifouling aufgebracht wird.
Größere Unebenheiten gleicht man mit einer dafür vorgesehenen Spachtelmasse aus. Ob danach eine weitere Schicht nötig ist, bevor Antifouling folgt, steht im Datenblatt. Verschiedene Hersteller sollten nicht unkontrolliert kombiniert werden, weil Verträglichkeit und Haftung herstellerspezifisch geprüft sind. Wer unsicher ist, fragt beim Hersteller nach der freigegebenen Schichtfolge.

Wie wirken Taupunkt und Temperatur auf den Auftrag?
Der Taupunkt ist die Temperatur, bei der der in der Luft enthaltene Wasserdampf kondensiert. Liegt die Rumpfoberfläche darunter, schlägt sich Feuchtigkeit auf ihr nieder. Das verschlechtert die Haftung und kann bei Lack zu mattem oder milchigem Glanz führen. Als Richtwert nennt YACHT, dass der Rumpf idealerweise drei Grad Celsius oder mehr wärmer sein sollte als die Luft. Als Rechenbeispiel gilt: Bei 20 °C Lufttemperatur und 80 % relativer Luftfeuchte ist der Taupunkt bei einer Oberflächentemperatur von 16,4 °C erreicht.
Die Temperaturdifferenz verändert sich im Tagesverlauf. Die Luft erwärmt sich schneller als der Rumpf, deshalb wird der Abstand im Laufe des Vormittags größer. YACHT rät daher, mit dem Streichen zu warten, bis das Tagesmaximum überschritten ist.
Herstellerangaben zur Untergrundtemperatur liegen für Einkomponentenprodukte oft bei 5 °C, für Zweikomponentenlacke und Primer oft bei 12 °C oder mehr. Die verbindlichen Grenzen für Temperatur, Luftfeuchte und Überstreichzeiten stehen jedoch im Datenblatt des konkreten Produkts, nicht in einer Faustregel.
Auch die Farbe selbst zählt. Eine über Nacht ausgekühlte Dose braucht Stunden, bis sie wieder gut verarbeitbar ist. Man lagert sie deshalb im Haus bei 15 bis 20 °C und bringt sie vor dem Gebrauch auf Raumtemperatur. Gut aufrühren, dann zweimal dünn statt einmal dick auftragen, denn dicke Schichten trocknen langsamer und sind anfälliger für Fehler.
Wie schütze ich mich und andere beim Schleifen?
Beim Schleifen von Antifouling sind gute Absaugung, Arbeitsschutzkleidung und eine hochwertige Staubmaske nötig. YACHT bezeichnet die Maske als Pflicht. Augen- und Handschutz gehören ebenfalls dazu.
Unbeteiligte, besonders Kinder, halten während der Arbeit Abstand zum Schleifbereich. Wo Abdeckungen unter dem Boot oder das Auffangen von Abrieb und Reinigungswasser verlangt werden, gelten die Vorgaben des Winterlagerplatzes beziehungsweise der zuständigen Behörde. Abrieb gehört nicht ins Wasser und wird nach den örtlichen Vorgaben entsorgt; die Entsorgung klärt man vorher mit dem Betreiber.
Häufig gestellte Fragen
Was tun, wenn nach dem Streichen Blasen oder matte Stellen auftreten?
Zuerst die Ursache eingrenzen: Feuchte am Untergrund, Taupunkt, ein zu kalter Rumpf oder ein unpassender Aufbau kommen infrage. Betroffene Stellen werden laut Herstellerangaben ausgebessert oder entfernt. Bei Unsicherheit fragt man den Hersteller oder einen Fachbetrieb.
Muss Antifouling jedes Jahr erneuert werden?
Nicht zwingend. Entscheidend ist der Zustand: Ist der Anstrich abgenutzt, stark bewachsen oder ablösend, wird er erneuert. Angaben zur Standzeit und zum Nachstrich stehen im Datenblatt des jeweiligen Produkts.
Darf ich mein Boot selbst auf dem Winterlagerplatz abschleifen?
Das hängt vom Platz und der zuständigen Behörde ab. Vorab klären, welche Abdeckung und Auffangmaßnahmen verlangt werden, und die oben beschriebene Schutzausrüstung verwenden.