Warum Feuchtigkeit das Boot im Winterlager angreift?
Ein Segelboot überwintert meist ohne Betrieb, ohne Heizung und oft ohne regelmäßige Kontrolle. Restfeuchte, Regen und Temperaturwechsel sorgen dafür, dass sich an kalten Flächen Kondenswasser bildet, sobald warme, feuchte Luft darauf trifft. Die Folgen sind Stockflecken an Polstern und Segeln, Schimmel in Schränken und in der Bilge sowie Feuchtigkeit in Bauteilen, die sich später kaum noch austrocknen lässt.
Die meisten Schäden entstehen nicht durch einen einzelnen Fehler, sondern durch das Zusammentreffen von Restwasser, fehlender Luftbewegung und Textilien an Bord. Wer diese drei Punkte gezielt angeht, senkt das Risiko deutlich. Die folgenden Abschnitte führen vom Lagerplatz bis zum Innenraum durch die Vorbereitung.

Halle oder Freilager: Welcher Lagerplatz passt?
Eine Halle schützt vor Regen und Schnee und hält Wind sowie UV-Strahlung weitgehend fern. Staub setzt sich trotzdem ab, deshalb ist eine einfache Staubabdeckung sinnvoll. Eine Politur im Herbst lohnt sich, bevor sich Schmutz festsetzt.
Ein Freilager bietet Witterungsschutz nur dann gut, wenn die Abdeckung ausreichend belüftet ist. Ohne Luftaustausch entsteht Schwitzwasser unter der Plane. Politur ist hier eher im Frühjahr sinnvoll, um Scheuerspuren der Plane zu entfernen. Bei der Wahl des Platzes zählen außerdem Zugang, Stromanschluss und die Bedingungen des Betreibers. Im Freilager erfordert die Abdeckung mehr Aufwand und eine sorgfältigere Befestigung.
Wie wird die Plane luftdurchlässig und scheuerfrei befestigt?
Für die Abdeckung eignet sich Baumwollstoff besser als Kunststoff, weil er Luftaustausch zulässt. Die Plane sollte idealerweise bis etwa zur Wasserlinie reichen. Darunter braucht es Luftzirkulation. Lüftungsöffnungen an Bug und Heck schaffen sie, dürfen aber nicht zu groß ausfallen, weil sie bei Sturm Wind einlassen und die Abdeckung beschädigen können.
Ein Hilfsrahmen aus Längs- und Querstreben hält die Plane vom Rumpf fern. Die Querstangen an Bug und Heck verhindern, dass Latten an der Bordwand scheuern, und vergrößern die Öffnungen zur Lüftung. Im Freilager belasten Wind und UV-Strahlung die Plane stark, deshalb muss der Rahmen gegen Wind abgespannt werden. Die Leinen spannt man gleichmäßig an und vermeidet scharfe Kanten, an denen die Plane scheuert.
Sitzt die Plane falsch, kann Feuchtigkeit ins Laminat eindringen. Liegt der Mast als Firststange unter der Plane, entstehen Scheuerstellen an den Salingbeschlägen. Eine zu flache Dachneigung bildet Wassersenken, in denen sich Regen sammelt. Eine flache Cockpitabdeckung hält Laub und Schnee von den Lenzern fern, eine höhere Variante schützt zusätzlich Teakteile und Instrumente.
Was muss vor dem Kranen an Bord erledigt werden?
Zuerst kommt das Wasser: Frischwassertank, Boiler und Druckbehälter entleert man vor dem Auskranen. An Land lässt sich über das Seeventil kaum noch Wasser ablassen, und Reste im System können bei Frost Schäden verursachen.
Die Batterien lädt man im Herbst vollständig und trennt sie danach vom Landstrom. Ein Boot, das unbeaufsichtigt am Landstrom hängt, gilt als Risiko. Ein dauerhaft angeschlossenes Ladegerät darf nur verwendet werden, wenn es laut Herstellerangabe für die Erhaltungsladung geeignet ist.
Den Motorölwechsel führt man vor dem Kranen am warmen Motor durch, weil warmes Öl besser abläuft und Verunreinigungen aus der Saison mit abfließen. Dabei besteht Verbrühungsgefahr durch heiße Teile und austretendes Öl. Das Altöl gehört zu einer Annahmestelle und nicht in den Hausmüll oder in den Abfluss.
Wie wird der Motor frostsicher vorbereitet?
Bei Zweikreiskühlung muss meist nur der Seewassereinlass entleert werden. Danach prüft man den Frostschutz im Ausgleichsbehälter und ergänzt ihn bei Bedarf.
Bei Einkreiskühlung spült man den gesamten Kühlkreislauf mit Frostschutzmittel. Der Motor muss dafür betriebswarm sein, damit der Thermostat öffnet und sich der Kreislauf vollständig füllt. Das Spülen erfolgt entweder über den Seewasserfilter bis zum Auspuff oder über ein Kanisterverfahren. Beim Kanisterverfahren ist der Auspuff nicht gekühlt, deshalb läuft der Motor nur kurz.
Abgase sind giftig. Probeläufe finden nur im Freien oder in gut belüfteten Bereichen statt, nie in einer geschlossenen Halle ohne Abzug. Sorte und Mischungsverhältnis des Frostschutzes richten sich nach den Betriebsanleitungen von Motorhersteller und Frostschutzhersteller. Ohne diese Angaben sollte man kein Gemisch selbst ansetzen.

Wann werden Segel, Mast und Rigg trocken eingelagert?
Segel dürfen nur vollständig trocken verpackt werden, sonst entstehen Stockflecken. Sie sollten keinem Frost ausgesetzt werden und an einem trockenen, gut durchlüfteten und zumindest leicht beheizten Ort liegen. Am schonendsten für die Fasern ist die gerollte Lagerung. Werden Segel gefaltet, legt man sie am besten in gleichmäßigen Bahnen parallel zum Achterliek zusammen.
Nach dem Mastlegen reinigt man die Gewinde der Wantenspanner, fettet sie ein und dreht sie wieder ein. Schmutz in den Gewinden beeinträchtigt die Funktion unter Last. Das Legen und Stellen des Mastes gehört in erfahrene Hände, weil dabei Lasten bewegt werden, die schwere Verletzungen verursachen können.
Wie bleibt der Innenraum schimmelfrei?
Textilien und Papier nimmt man am besten mit nach Hause. Kissen und Decken sollten warm und trocken gelagert werden. Schranktüren und Bodenbretter öffnet man, damit die Luft durch alle Bereiche zirkulieren kann.
Luftentfeuchter mit Granulat helfen, Schimmel vorzubeugen. Das Granulat wird nach Herstellerangabe getauscht. Setzt man ein elektrisches Gerät oder eine Zwangsbelüftung ein, betreibt man sie nur nach Herstellerangabe und nicht unbeaufsichtigt, sofern dies nicht ausdrücklich vorgesehen ist. Die Bilge reinigt und trocknet man gründlich, bevor das Boot eingelagert wird.
Was ist beim Wiederaufrüsten im Frühjahr zu beachten?
Vor dem Wassern entfernt man die Abdeckung und prüft den Innenraum auf Feuchte und Schimmel. Die Wanten, der Mast und die Batterie werden kontrolliert, bevor das Boot wieder in Betrieb geht. Der Motor wird nach den Angaben in der Betriebsanleitung in Betrieb genommen, und der Frostschutz im Kühlkreislauf wird vorab geprüft. Bei Unsicherheit gilt die Betriebsanleitung des jeweiligen Herstellers vor jeder Notlösung.
Häufig gestellte Fragen
Was tun, wenn im Innenraum bereits Schimmel entdeckt wird?
Oberflächlichen Befall trocken abwischen und mit einem für den Untergrund geeigneten Reinigungsmittel behandeln, dabei die Herstellerangaben beachten. Handschuhe und bei Staubbildung Atemschutz tragen. Bei tiefem Befall, etwa in Polstern oder hinter Verkleidungen, sollte ein Fachbetrieb hinzugezogen werden.
Muss der Versicherer über das Winterlager informiert werden?
Das richtet sich nach dem Versicherungsvertrag und den Bedingungen des Lagerbetreibers. Anforderungen an Lagerort oder Abdeckung sollte man vor dem Einlagern beim Versicherer erfragen.
Kann ein Segelboot auch im Wasser überwintern?
Das kommt nur unter bestimmten Bedingungen in Betracht, etwa in ruhigem Gewässer und mit geeigneter Vorsorge. Ob ein Liegeplatz dafür zulässig ist, klärt man mit dem Hafenbetreiber. Die Vorgaben des Herstellers gelten dabei unabhängig davon.