Wo gehört der Rettungsring an Bord hin?
Ein Rettungsring nützt nur, wenn er in den ersten Sekunden eines Zwischenfalls erreichbar ist. Er gehört deshalb dorthin, wo sich die Besatzung am häufigsten aufhält: meist im Cockpit, möglichst nahe am Steuerstand, oder am Heckkorb. Ein Ring unter Polstern, in der Backskiste oder im Vorschiff ist im Ernstfall praktisch wertlos. Achten Sie außerdem darauf, dass der Ring auch bei Dunkelheit schnell gefunden wird und dass man ihn mit einer Hand aus der Halterung lösen kann, ohne sich zu verrenken.

Wann ist ein Rettungsring Pflicht?
Auf Seeschifffahrtsstraßen gilt die See-Sportbootverordnung (SeeSpBootV) vom 29. August 2002 (BGBl. I S. 3457). Ihre Anlage 1 führt die Mindestausrüstung auf. Unter Nummer 7 sind Rettungsringe mit Leine und Licht genannt. Die Mindestzahl steht ebenfalls in dieser Anlage. Sie entnehmen sie am besten direkt dem amtlichen Wortlaut der Verordnung, denn Zahlen aus Ratgebern oder Herstellerseiten sind keine verbindliche Grundlage.
Auf Binnengewässern liegt die Sache anders. Die Ausrüstungspflichten für Sportboote werden dort weitgehend im Landesrecht und in den jeweiligen Gewässerordnungen geregelt. Eine bundesweit einheitliche Pflicht zum Rettungsring, die sich pauschal übertragen ließe, ist daher nicht vorhanden. Maßgeblich bleibt das Recht des Gewässers, auf dem Sie fahren.
Rettungsring oder Rettungsweste: Was ist Pflicht?
Ring und Weste sind keine Alternativen, sondern ergänzen sich. Die Weste hält die eigene Person über Wasser. Der Ring erreicht eine Person, die nicht mehr selbst zum Boot schwimmen kann, und markiert gleichzeitig die Stelle im Wasser. Die Anlage 1 der SeeSpBootV nennt auch Rettungswesten als Mindestausrüstung; zulässig sind dort automatische Westen mit Prüfnachweis oder Feststoffwesten. Verlassen Sie sich deshalb nicht darauf, dass der Ring die Weste ersetzt. Beide Mittel erfüllen unterschiedliche Aufgaben.
Wie wird ein Rettungsring richtig befestigt?
Die Befestigung muss zwei Anforderungen erfüllen. Der Ring muss im Notfall sofort abnehmbar sein, und er darf sich auch bei Seegang, Schlägen oder Krängung nicht von selbst lösen. Verwenden Sie eine stabile Halterung, die mit ausreichend dimensionierten Schrauben und Unterlegscheiben an einer tragfähigen Stelle des Decks oder der Struktur sitzt. Verlassen Sie sich nicht auf dünnen Kunststoff allein.
Hängen Sie den Ring nicht einfach in die Reling ein. Der Deutsche Motoryachtverband empfiehlt, einen Rettungsring mit schwimmfähiger Wurfleine und Leuchte auszustatten. Die Leine sollte locker aufgeschossen in der Halterung liegen, damit sie beim Werfen frei abläuft. Wickeln Sie sie nicht um Hand oder Körper. Stellen Sie die Länge so ein, dass Sie alles an Bord erreichen, aber nicht ungewollt über Bord fallen. Die Leuchte darf nicht verdeckt sein, und ihre Batterie muss zugänglich bleiben.

Welche Norm gilt für Gehäuse und Halterungen?
Die DIN ISO 18421 in der Ausgabe 2016-08 legt Gestaltung, Funktion und Maße von Gehäusen für Rettungsringe fest. Ihr Anwendungsbereich nennt Fahrzeuge der Binnenschifffahrt sowie Hafen- und Uferanlagen. Ihr Zweck ist, dass Rettungsringe gut sichtbar und schnell zugänglich angebracht werden. Das Gehäuse schützt den Ring vor Witterung, Vandalismus und Diebstahl.
Für die Montage an Ihrem Boot regelt die Norm nach dem veröffentlichten Anwendungsbereich nichts Ausdrückliches. Wählen Sie deshalb Halterung und Gehäuse nach den Angaben des Herstellers und prüfen Sie in dessen Dokumentation die zulässige Belastung und die vorgesehene Befestigungsart. Eine Norm-Kennzeichnung allein ersetzt keine fachgerechte Montage.
Wie kontrolliert man den Rettungsring regelmäßig?
Kontrollieren Sie den Ring in festen Abständen und zusätzlich nach jedem Einsatz. Achten Sie auf Risse, Verformungen und Ausbleichen durch UV-Licht. Prüfen Sie die Ummantelung auf Schäden und die Leine auf Scheuerstellen, Verknotungen und Verschleiß an den Enden. Testen Sie die Leuchte, und tauschen Sie die Batterie nach den Herstellerangaben. Kontrollieren Sie auch die Halterung auf Lockerheit und Korrosion.
Die Hersteller nennen Prüf- und Austauschintervalle in ihrer Dokumentation. Übernehmen Sie diese Angaben, statt eigene Zeitabstände zu schätzen. Für Rettungsinseln verlangt der Deutsche Motoryachtverband eine periodische Inspektion durch eine autorisierte Wartungsfirma. Für Rettungsringe ist das nicht in gleicher Form festgelegt, doch auch hier gilt: Ein beschädigter oder nicht funktionsfähiger Ring wird ersetzt, bevor die nächste Fahrt beginnt.
Was tun bei Mann über Bord?
Handeln Sie in dieser Reihenfolge und ohne Zögern. Rufen Sie „Mann über Bord“ laut und alarmieren Sie die Besatzung. Eine Person zeigt dauerhaft auf die Person im Wasser, denn Wellen und Gegenlicht lassen sie schnell verschwinden. Drücken Sie sofort die MOB-Taste am GPS, damit die Position gespeichert ist; wenn Sie dafür unter Deck müssen, während das Boot noch nahe ist, kann das kurz warten.
Werfen Sie den Rettungsring mit Leine in Richtung der Person und schalten Sie bei Dunkelheit die Leuchte ein. Bringen Sie das Boot dann kontrolliert zurück. Welches Rückkehrmanöver passt, hängt von Wind, Strömung, Wellenhöhe und Bootstyp ab. Es gibt deshalb kein Universalmanöver. Nehmen Sie die Fahrt heraus, sobald Sie die Person sicher erreichen können.
Bereiten Sie die Bergung vor, bevor das Boot die Person erreicht. Legen Sie Bergehilfe, Leine und gegebenenfalls eine Badeleiter bereit. Springen Sie nur ins Wasser, wenn das Boot gestoppt und Sie selbst gesichert sind. Unterkühlung und Erschöpfung sind ernste Gefahren. Die geborgene Person sollte sofort aus dem Wasser, warm gehalten und ärztlich untersucht werden. Setzen Sie den Notruf ab, sobald die Lage es erfordert, und warten Sie nicht erst, bis die Person an Bord ist.
Häufig gestellte Fragen
Gilt für Paddel- oder Schlauchboote dieselbe Ringpflicht?
Das hängt von Gewässer und anwendbarem Recht ab. Ob und welche Rettungsmittel für diese Boote verlangt werden, klären Sie am besten direkt bei der zuständigen Behörde vor Ort.
Wer gibt verbindliche Auskunft zu Rettungsmitteln auf einem bestimmten Gewässer?
Die zuständige Wasserschutzpolizei des Landes und das Wasser- und Schifffahrtsamt können Ihnen die für das jeweilige Revier gültigen Vorgaben nennen.
Was tun, wenn der Ring nach einem Einsatz beschädigt ist?
Ersetzen Sie ihn, bevor Sie wieder auslaufen, und prüfen Sie auch Leine, Leuchte und Halterung auf Schäden durch den Einsatz.