Wie verhindern Sie den Sturz ins Wasser?
Die beste Mann-über-Bord-Prozedur beginnt vor dem Ereignis. Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) empfiehlt in seiner Broschüre „Sicherheit auf dem Wasser“, Maßnahmen gegen das Überbordfallen zu treffen und Bergungsmöglichkeiten vorab zu prüfen. Rettungswesten sollten rechtzeitig angelegt werden, bevor Wind und Seegang den Aufenthalt an Deck gefährlich machen. Rutschfeste Schuhe gehören ebenfalls zur Bordkleidung. Die BSH weist außerdem darauf hin, dass die Gefahr der Unterkühlung nach einem Sturz ins Wasser besonders groß ist.

Wer übernimmt welche Aufgabe an Bord?
Legen Sie die Rollen fest, bevor etwas passiert. Ein Ausguck hält ständig Sichtkontakt zur Person im Wasser und zeigt dem Ruderführer mit der Hand die Richtung. Eine weitere Person startet die Maschine, eine dritte setzt den Notruf ab. Bei einem Segelboot lösen andere Crewmitglieder die Schoten, damit das Boot ohne Vortrieb in Position bleibt. Diese Aufteilung funktioniert nur, wenn jeder an Bord weiß, was zu tun ist. Sprechen Sie deshalb vor jeder Fahrt kurz durch, wer welche Aufgabe übernimmt.
Wie handeln Sie in den ersten Sekunden?
Die Person im Wasser darf nicht aus den Augen verloren werden. Schon wenige Dutzend Meter Abstand können genügen, um sie nicht mehr zu sehen. Rufen Sie deshalb laut „Mann über Bord“ und werfen Sie sofort Rettungsmittel und eine Wurfleine als Markierung ins Wasser. Die Seenotretter der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) nennen diese Schritte ausdrücklich: Die Crew darf den Sichtkontakt nicht verlieren, Rettungsmittel und Wurfleine gehören sofort ins Wasser. Es gibt kein Standardmanöver, das für jedes Boot passt. Entscheidend ist, dass Sie der Person ohne Verzögerung zurück zum Ort des Geschehens folgen.
Warum zählt die Position sofort?
Drücken Sie die Taste für Mann über Bord (sie heißt häufig „POB“) am GPS-Gerät oder am Plotter, bevor Sie das Manöver beginnen. Der gespeicherte Punkt zeigt Ihnen die Unglücksstelle, auch wenn Sie sich während des Manövers bereits davon entfernt haben. Bei einem Notruf brauchen die Rettungskräfte den Grund des Notrufs und die genaue Position. Ohne verlässliche Position lässt sich die Suche kaum eingrenzen. Notieren Sie außerdem die Uhrzeit des Ereignisses, denn sie hilft bei der Auswertung der Suche.
Wann und wie setzen Sie den Notruf ab?
Bei akuter Lebensgefahr setzen Sie sofort einen Mayday-Ruf ab. Die DGzRS nennt drei Wege: die DSC-Notruftaste, UKW-Kanal 16 mit dem Rufnamen „Bremen Rescue“ oder das Telefon der Seenotleitung Bremen unter +49 421 536 870. Die Leitstelle ist rund um die Uhr besetzt. Die DSC-Taste überträgt die Position sofort, sofern das Gerät mit GPS verbunden ist. Ihre Reichweite hängt jedoch von den Antennenhöhen und vom Abstand zu den Küstenstationen ab. Ein Notruf über Kanal 16 bleibt deshalb sinnvoll, und Sie sollten beide Wege nutzen, wenn die Zeit es erlaubt. Eine E-Mail ist kein Alarmierungsweg.
Pan-Pan dient dagegen für dringende Lagen ohne unmittelbare Lebensgefahr, etwa bei einem Maschinenschaden an Bord. Bei einem Mann über Bord liegt in aller Regel eine akute Gefahr vor, denn die Unterkühlung wirkt schnell. Verwenden Sie in diesem Fall den Mayday-Ruf.

Welches Rückkehrmanöver passt zu Ihrem Boot?
In der Praxis werden das Münchner Manöver, die Q-Wende, das Manöver unter Maschine, der Quickstop und das Hamburger Manöver genannt. Keines davon ist für alle Boote gleich gut. Die Wahl hängt von Bootstyp, Antrieb, Wind, Seegang und Besatzung ab. Beim Hamburger Manöver krängt die Yacht nach Lee, der Freibord sinkt, und die Person kann über die Leeseite leichter an Bord kommen. Prüfen Sie vorher, ob Luken geschlossen und lose Gegenstände gesichert sind, denn Schräglage kann Wasser an Deck bringen.
Beim Aufstoppen kuppeln Sie den Motor aus. So verhindern Sie, dass sich die Person im Propeller verletzt. Fahren Sie nie mit drehendem Propeller dicht an die Person heran. Stoppen Sie den Motor, sobald die Person in Reichweite ist. Diese Regel gilt unabhängig vom gewählten Manöver.
Wie holen Sie die Person sicher an Bord?
Die Person ist nach dem Sturz oft stark ausgekühlt und kann nur eingeschränkt mithelfen. Planen Sie deshalb das Holen an Bord, bevor Sie es brauchen. Bei geschwächten Personen ist das Holen besonders schwierig. Die BSH empfiehlt, genau diese Situation zu üben. Verlagern Sie beim Bergen das Gewicht, damit das Boot nicht kentert. Vermeiden Sie, dass sich alle Crewmitglieder auf einer Seite versammeln.
Nach der Bergung kontrollieren Sie den Zustand der Person, halten sie warm und melden der Seenotleitung, dass die Person an Bord ist. Erst dann ist die Lage aus Sicht der Rettungskräfte beendet. Wenn die Person nicht ansprechbar ist, verschlechtert sich der Zustand schnell, und Sie sollten die Rettungsleitstelle unverzüglich informieren.
Wie üben Sie das Manöver richtig?
Eine Mann-über-Bord-Prozedur funktioniert nur, wenn sie geübt ist. Das Fachmagazin YACHT empfiehlt, das Manöver mit dem eigenen Schiff ein- bis mehrmals pro Saison zu trainieren. Üben Sie auch das Holen einer geschwächten Person. Legen Sie vorab fest, wo Rettungsmittel und Wurfleine griffbereit liegen, und prüfen Sie die Ausrüstung nach jeder Übungsfahrt. Anschließend besprechen Sie den Ablauf gemeinsam, damit jeder seine Rolle kennt.
Häufig gestellte Fragen
Was tun, wenn ich allein an Bord bin und die Person nicht mehr sehe?
Setzen Sie zuerst den Notruf ab, weil Sie ein Manöver allein kaum sicher durchführen können. Speichern Sie danach die Position und werfen Sie Rettungsmittel als Markierung, wenn Sie sie erreichen. Ein tragbares UKW-Funkgerät kann Ihnen helfen, im Notfall den Kontakt zu den Rettungskräften zu halten.
Reicht ein AIS-MOB-Gerät aus, um die Rettung auszulösen?
Ein solches Gerät zeigt den Rettungskräften, dass jemand über Bord gegangen ist. Es ersetzt jedoch keinen Funknotruf, weil die Rettungskräfte die Crew über dieses Signal nicht gezielt ansprechen können.
Muss ich den Notruf auch absetzen, wenn die Person schnell wieder an Bord ist?
Setzen Sie den Notruf ab, sobald die Person nicht sofort geborgen ist. Wenn die Bergung gelingt, informieren Sie die Seenotleitung über den Ausgang, damit sie die Lage korrekt bewerten kann.