Eine Rettungsleine lässt sich nur einmal werfen. Wer die Leine vor dem Wurf richtig klariert, das Leinenende am Boot festmacht oder vom Retter halten lässt und den Beutel möglichst nah an die Person im Wasser bringt, erhöht die Chance, dass sie die Leine erreicht. Entscheidend ist, dass Crew und System vorher geübt wurden.
Wann kommt die Rettungsleine zum Einsatz?
Die Rettungsleine ist ein Hilfsmittel für den Fall, dass eine Person über Bord gegangen ist und das Boot nicht direkt an sie heranfahren kann oder soll, etwa weil sie zu weit weg treibt oder ein direktes Anfahren gefährlich wäre. Sie ersetzt nicht das Manöver des Bootes, sondern ergänzt es. Solange die Person sichtbar ist, bleibt ihre Position der wichtigste Anhaltspunkt: Wer sie aus den Augen verliert, findet sie nur schwer wieder. Ob ein Wurf sinnvoll ist, entscheidet die Schiffsführung in der konkreten Lage, abhängig von Wind, Seegang und Abstand.

Wie wirft man die Rettungsleine richtig?
Prüfen Sie vor dem Wurf, dass der Beutel frei liegt, das Leinenende am Boot festgemacht oder von einer Person sicher gehalten wird und sich niemand die Leine um Hand, Arm oder Körper gelegt hat. Die Leine kann sich bei der Bewegung des Bootes zuziehen und jemanden über Bord ziehen. Werfen Sie den Beutel so, dass er möglichst nah an der Person ins Wasser fällt, damit sie ihn greifen kann. Ein Wurf direkt auf den Kopf ist zu vermeiden.
Zum Werfen haben Sie nur einen Versuch. Deshalb sollte die Crew Wurfrichtung und Aufgaben vorher absprechen: Eine Person wirft, eine hält das Leinenende, eine behält die Person im Wasser ständig im Blick. Achten Sie außerdem darauf, dass die freie Leine nicht ins Wasser hängt, wo sie in den Propeller geraten kann.
Wie lang muss die Schwimmleine sein?
Für die Länge einer Rettungsleine gibt es in den von uns geprüften Quellen keine verbindliche Vorgabe; maßgeblich ist die Herstellerangabe. Im Test von YACHT hatten die untersuchten Systeme Leinenlängen zwischen 27 und 42 Metern. Wählen Sie die Länge so, dass der Beutel bei üblichem Abstand zur Person im Wasser ankommt, die Leine sich an Bord aber noch sicher verstauen und aufschießen lässt. Eine zu lange Leine ist beim Werfen schwerer zu handhaben, eine zu kurze reicht im Ernstfall nicht aus. Die Leine soll außerdem schwimmen, damit sie nicht unter das Boot oder in den Propeller gerät.
Wie klariert man die Leine für einen zweiten Wurf?
Nach dem Wurf muss die Leine an Bord klariert werden, bevor sie neu gepackt werden kann. Lösen Sie dafür Schlingen und Törns, die sich beim Auswerfen gebildet haben, und schießen Sie die Leine in großen, freien Buchten an Deck auf. So lässt sie sich ohne Verhaken wieder aus dem Beutel ziehen. Die Klarierarbeit darf die Beobachtung der Person nicht unterbrechen; geben Sie sie an eine zweite Person ab, falls möglich. Halten Sie die Leine danach griffbereit, damit ein zweiter Wurf ohne Suche möglich ist.
Was tun bei einem Fehlwurf?
Ist der Wurf misslungen, belegen Sie die Leine am Boot und fahren ein Kreismanöver, um die Person erneut in Reichweite zu bringen. Nach den Angaben von YACHT ist das günstiger, als die Leine mit einem zweiten Wurf erneut zu werfen. Vergewissern Sie sich, dass die Belegung auch unter Zug hält und sich nicht lösen kann. Beim Kreisen bleibt die Person im Blick; das Manöver darf nicht dazu führen, dass Sie sie aus den Augen verlieren.

Wie hält man Kontakt zur Person im Wasser?
Beim Nachschleppen wirkt der leere Beutel als kleiner Treibanker. Dadurch lässt sich das Boot nach Angaben von YACHT leichter manövrieren und schneller umkreisen. Welche Nachteile ein System etwa bei Auftrieb oder Sichtbarkeit im Wasser hat, hängt vom Produkt ab und steht in der Herstellerdokumentation; eine allgemeine Aussage dazu können wir nicht belegen. Die Leine hält die Verbindung zur Person, das eigentliche Bergen erfordert zusätzliche Hilfsmittel. Bei Bergeschlaufen wird dafür eine Bergetalje oder eine Winsch benötigt, um eine erschöpfte Person an Bord zu heben.
Wie prüft man das System vor der Fahrt?
Kontrollieren Sie, ob Beutel und Leine vollständig und unbeschädigt sind, trocken verstaut werden und die Leine frei aus dem Beutel läuft. Prüfen Sie außerdem, ob die Befestigung am Boot sicher ist und das System im Ernstfall schnell erreichbar bleibt. Eine Leine, die verknotet, verklebt oder beschädigt ist, sollte ersetzt werden, bevor Sie in See stechen. Halten Sie sich dabei an die Pflegehinweise des Herstellers.
Wie übt die Crew den Wurf richtig?
Nach YACHT haben die meisten Eigner und Crews ihr Rettungssystem vermutlich nie ausprobiert, dabei sind Rettungsleinen nur dann Lebensretter, wenn ihr Einsatz vorher geübt wurde. Üben Sie deshalb mit einem schwimmenden Ziel, etwa einem Fender, in ruhigem Wasser und sofern Revier und Hafen es erlauben. Wechseln Sie die Rollen, damit alle an Bord Wurf, Klarieren und Belegen beherrschen. Vollständige Trainingspläne haben wir in den geprüften Quellen nicht gefunden. Orientieren Sie sich deshalb an der Herstellerdokumentation und lassen Sie sich nach Möglichkeit in einem Kurs einweisen.
Häufig gestellte Fragen
Muss ich eine Rettungsleine an Bord haben?
Das hängt von Revier, Schiffstyp und Fahrtgebiet ab. Die verbindlichen Anforderungen legen die zuständigen deutschen Behörden fest; prüfen Sie diese vor der Saison, bevor Sie Ihre Ausrüstung zusammenstellen.
Kann ich die Rettungsleine auch zum Festmachen am Steg nutzen?
Davon raten wir ab. Die Leine ist für den Notfall bestimmt und sollte vollständig und griffbereit bleiben. Nutzen Sie sie nur, wenn die Herstellerdokumentation dies ausdrücklich zulässt.
Wie lagere ich die Rettungsleine richtig?
Lagern Sie sie trocken und geschützt vor direkter Sonneneinstrahlung, so dass sie sich im Notfall ohne Verhaken ziehen lässt. Die genauen Hinweise stehen in der Herstellerdokumentation.