Welcher Anker passt zu meinem Boot?

Die Wahl des Ankers richtet sich nach Bootsgröße, Verdrängung und Ankergrund. Jeder Hersteller gibt für seine Modelle eine empfohlene Gewichtsklasse an, meist abgestimmt auf Länge und Bauart des Bootes. Diese Angaben sind die Grundlage der Auswahl und stehen in der Dokumentation des Herstellers; eine Schätzung aus dem Gedächtnis ersetzt sie nicht.

Ebenso wichtig ist der Untergrund. Sand und Schlick lassen die Flunken gut eingraben, während Kies, Fels und dichter Seegrasbewuchs das Eingraben erschweren und den Halt verringern. Ob ein bestimmter Ankertyp auf dem Grund Ihres Reviers hält, steht ebenfalls in den Herstellerangaben. Seekarten und Revierinformationen geben Auskunft über die Beschaffenheit des Grundes.

Bei Unsicherheit rät ein deutsches Fachmagazin für Segeln dazu, die höhere Gewichtsklasse zu wählen. Ein leichterer Zweitanker ist aus dieser Sicht wenig sinnvoll, weil er den Hauptanker im Ausfall ersetzen können muss. Für ihn gelten deshalb dieselben Auswahlkriterien wie für den Hauptanker.

Anzeige

Welcher Anker passt zu meinem Boot?

Wie viel Kette muss ich stecken?

Die ausgebrachte Kettenlänge bestimmt, wie flach der Zug am Anker wirkt. Ist zu wenig Kette gesteckt, zieht der Anker steil nach oben und löst sich aus dem Grund. Als gängige Faustregel gilt bei reiner Kette das Drei- bis Fünffache der Wassertiefe, bei Tauwerk das Achtfache. Das Fachmagazin hält diese Werte für Lehrbuchfaktoren, die den Wind nicht berücksichtigen: Im Flachwasser sind sie oft zu knapp, im Tiefwasser eher großzügig.

Bei mäßigem Wind sollte man im flachen Wasser mehr als das Fünffache stecken. Nach den Berechnungen des Magazins reichen bei 15 Knoten Wind und 3 m Wassertiefe 15 m Kette nicht; der Ankerschaft wird angehoben, und der Anker verliert seinen Halt. Bei 8 m Wassertiefe sieht die Fünffach-Regel 40 m Kette vor, während bei 15 Knoten laut denselben Berechnungen etwa 28 m genügen. Die Abweichung wächst mit dem Wind.

Ein Kettenvorlauf von etwa 10 m, kombiniert mit Tauwerk, erreicht laut Magazin größere Tiefen als eine reine Leine; bei 20 Knoten Wind ergibt sich dafür eine Wassertiefe von etwa 6 m. Ein Dämpfungsstropp aus Tauwerk mit Ruckdämpfer entlastet Kette und Winsch, weil seine Dehnung Lastspitzen abfängt, besonders bei seichtem Wasser und beim Schwojen. Bei starkem Schwojen ist sicheres Ankern erst ab etwa 7 m Wassertiefe möglich. Alle Werte sind Richtgrößen: Im Zweifel mehr Kette stecken und die Lage am Ankerplatz laufend beobachten.

Wann darf ich ankern und wo nicht?

Auf Seeschifffahrtsstraßen ist das Ankern im Fahrwasser grundsätzlich verboten. Ausgenommen sind Reeden sowie manövrierbehinderte Fahrzeuge nach Regel 3 Buchstabe g Ziffern i und ii der Kollisionsverhütungsregeln (§ 32 Abs. 1 SeeSchStrO). Außerhalb des Fahrwassers gilt ein Ankerverbot unter anderem:

  • im Umkreis von 300 m um schwimmende Geräte, Wracks, Schifffahrtshindernisse, Leitungstrassen, Kabel und Rohrleitungen,
  • im Umkreis von 100 m vor und hinter Sperrwerken,
  • vor Hafeneinfahrten, Anlegestellen, Schleusen und Sielen sowie in den Zufahrten zum Nord-Ostsee-Kanal,
  • innerhalb von Fähr- und Brückenstrecken,
  • an engen Stellen und unübersichtlichen Krümmungen.

Auf bekanntgemachten Reeden dürfen nur Fahrzeuge ankern, denen das nach der Zweckbestimmung der Reede gestattet ist. Den Anker zum Manövrieren zu benutzen gilt nicht als Ankern. In den 300-m- und 100-m-Bereichen ist allerdings auch dieser Gebrauch verboten (§ 32 Abs. 2 SeeSchStrO).

Anzeige

Auf Binnenschifffahrtsstraßen gelten andere Regeln, nämlich die Binnenschifffahrtsstraßen-Ordnung. Dort ist das Ankern auf Schifffahrtskanälen, in Schleusenkanälen und auf Abschnitten mit allgemeinem Ankerverbot untersagt. Auf der Seite eines Zeichens A.6 ist das Ankern auf 50 m stromauf und 50 m stromab des Zeichens verboten. Wo das Ankern nach dieser Regel verboten ist, darf nur dort geankert werden, wo das Zeichen E.6 steht, und zwar auf der Seite des Zeichens (§ 7.03 BinSchStrO). Auf solchen Strecken ist es außerdem verboten, Pfähle in den Grund einzubringen. Ebenso untersagt ist es, Anker, Trosse oder Kette über den Grund schleifen zu lassen (§ 6.18 BinSchStrO). Die Zeichen sind in Anlage 7 der Ordnung abgebildet.

Wie werfe ich den Anker richtig?

Ein sauberes Ankermanöver beginnt lange vor dem eigentlichen Ablassen. Die Reihenfolge lautet:

  1. Ankerplatz planen: Wassertiefe und Untergrund prüfen, genug Raum für das Schwojen einplanen und den Abstand zu Nachbarn, Ufer und Fahrwasser beachten.
  2. Anker klarmachen: Kette sauber auslegen oder im Kasten frei laufen lassen, Verbindungen wie Wirbel und Schäkel auf festen Sitz kontrollieren, Ankerleine nicht verdrillt verlegen.
  3. Gegen Wind oder Strom anfahren: Das Boot langsam an den Ankerplatz heranführen und die Maschine bereit halten.
  4. Anker kontrolliert ablassen: Den Anker nicht einfach über Bord werfen, sondern mit der Kette laufen lassen, bis er den Grund berührt.
  5. Rückwärts ziehen und Kette abfieren: Mit leichter Rückwärtsfahrt die Kette gleichmäßig nachgeben lassen, damit sie am Grund liegt und sich der Anker eingräbt.
  6. Kette stecken und sichern: Die gewählte Länge ausbringen, am Bug festlegen (Kettenstopper oder Festmacher) und gegebenenfalls den Dämpfungsstropp einhängen.

Dabei besteht Verletzungsgefahr. Eine laufende Ankerkette kann Finger und Hände einklemmen oder eine Person über Bord ziehen. Die Kette niemals mit den Händen führen und sich nicht zwischen Kette und Klüse stellen. Das Ankern sollte man zuerst bei ruhigem Wetter und in offenem, bekanntem Wasser üben, bevor man es bei Wind oder in der Dunkelheit versucht.

Wie werfe ich den Anker richtig?

Wie prüfe ich, ob der Anker hält?

Dass der Anker hält, zeigt sich nicht sofort. Drei Kontrollen geben Sicherheit:

  • Peilung: Zwei feste Landmarken im Blick behalten. Wandert eine Peilung, schleppt der Anker, und man muss handeln.
  • Positionsvergleich: Ein Ankeralarm am Navigationsgerät hilft, besonders nachts. Er ersetzt aber keine Sichtkontrolle.
  • Verhalten des Bootes: Ein gleichmäßig zur Kette stehendes Boot spricht für Halt. Ruckende Bewegungen, stärkere Schwingungen am Bug oder ein Annähern an Nachbarn deuten auf Probleme hin.

Die Kontrolle sollte man nach jeder Winddrehung und bei Strom- oder Tidenwechsel wiederholen. Besteht der Verdacht, dass der Anker schleift, hält man die Maschine einsatzbereit, bewertet die Lage neu und setzt gegebenenfalls neu. Den Anker nicht mit Gewalt aus dem Grund reißen, sondern das Boot langsam über ihn steuern.

Anzeige

Wann ist eine Ankerwache Pflicht, und welche Lichter führe ich?

Auf vor Anker liegenden Fahrzeugen in Fahrwassernähe oder auf einer Reede muss ständig Ankerwache gegangen werden. Diese Pflicht gilt auch für Fahrzeuge, für die das Ankerverbot nicht greift. Ausgenommen sind nur Fahrzeuge unter 12 m Länge auf den nach § 10 Abs. 4 SeeSchStrO bezeichneten Wasserflächen (§ 32 Abs. 4 SeeSchStrO).

Nach Regel 30 der Kollisionsverhütungsregeln führt ein Fahrzeug vor Anker an gut sichtbarer Stelle vorn ein weißes Rundumlicht oder einen Ball und am oder nahe dem Heck ein weiteres weißes Rundumlicht, das tiefer liegt. Fahrzeuge unter 50 m dürfen stattdessen ein einziges weißes Rundumlicht führen. Ein Fahrzeug, das auf Grund liegt, führt zusätzlich zwei rote Rundumlichter übereinander oder drei Bälle übereinander; Fahrzeuge unter 12 m sind davon befreit. Fahrzeuge unter 7 m brauchen die Lichter oder Signalkörper nicht, solange sie sich nicht in engem Fahrwasser, in einer Fahrrinne oder auf einer Reede oder in deren Nähe befinden. Tagsüber ist der Ball im Vorschiff das zulässige Signal.

Welche Fehler passieren beim Ankern häufig?

Die meisten Probleme gehen auf wenige, wiederkehrende Fehler zurück:

  • zu wenig Kette für Wassertiefe und Wind,
  • Ankern im Fahrwasser oder in einem Bereich mit Verbotszeichen,
  • fehlende Peilung, sodass ein schleppender Anker erst spät auffällt,
  • ein zu enger Schwojkreis, der Nachbarn oder das Ufer gefährdet,
  • verhedderte oder unzureichend befestigte Kette,
  • vergessene Ankerwache oder fehlende Lichter,
  • ein Ankermanöver bei Wind, ohne das Revier und das Boot vorher kennengelernt zu haben.

Wer bei Dunkelheit oder starkem Wind keine Erfahrung hat, sollte einen ruhigeren Platz wählen oder einen sicheren Hafen anlaufen.

Häufig gestellte Fragen

Was tue ich, wenn sich der Anker im Grund verhakt hat?

Den Zug nicht mit Gewalt erhöhen. Das Boot langsam aus einer anderen Richtung über den Anker fahren, damit sich die Kette löst. Gelingt das nicht, Hilfe anfordern und die Hinweise des Herstellers zum Lösen beachten.

Wie reinige und lagere ich Anker und Kette nach dem Törn?

Schlick und Salz mit Süßwasser abspülen, Kette und Verbindungsteile trocknen lassen und auf Verschleiß prüfen. Die Pflegehinweise des Herstellers haben Vorrang.

Was muss ich beim Lichten des Ankers beachten?

Die Maschine unterstützend einsetzen, die Kette gleichmäßig einholen, das Umfeld auf Schiffsverkehr prüfen und die Kette danach sauber verstauen.